Wie lange sollte die Angebotsfrist beim Hausverkauf sein?
Für die meisten Angebotsrunden sind ein bis zwei Wochen ab der letzten Besichtigung ein guter Rahmen: lang genug, damit Interessenten ihre Finanzierung klären können, kurz genug, dass niemand das Interesse verliert. Die richtige Länge hängt aber davon ab, wie viele Interessenten Sie haben, wie kompliziert deren Finanzierung ist, und ob Sie die Frist automatisch enden lassen oder selbst den Schlusspunkt setzen.
Dieser Beitrag zeigt, welche Fristlänge wofür spricht, wie Sie mit Verlängerungen fair umgehen, und wie ein automatisches Fristende funktioniert.
Warum braucht eine Angebotsrunde überhaupt eine Frist?
Ohne klaren Endpunkt zieht sich eine Angebotsrunde in die Länge. Interessenten warten darauf, dass "irgendwann" entschieden wird, legen deshalb ihr bestes Angebot nicht vor, und springen im Zweifel ab, weil sie sich woanders umsehen. Eine feste Frist gibt allen denselben Zeitrahmen: Jeder weiß, bis wann er sich entscheiden und sein Angebot abgeben muss, und jeder weiß, dass alle anderen denselben Rahmen haben. Das ist die Grundlage dafür, dass sich das Verfahren fair anfühlt, nicht nur, dass es fair ist.
Wie lange sollte die Angebotsfrist sein?
Es gibt keine pauschal richtige Länge. Die folgende Übersicht zeigt, wofür kurze, mittlere und lange Fristen sprechen:
| Fristlänge | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Kurz (3-5 Tage) | Hohe Dringlichkeit, schneller Abschluss, passt zu sehr gefragten Immobilien mit vielen Interessenten | Wenig Zeit für Finanzierungsbestätigungen, Interessenten mit komplexerer Finanzierung fallen eventuell heraus |
| Mittel (1-2 Wochen) | Genug Zeit für die meisten Finanzierungen, erhält trotzdem Dringlichkeit | Erfordert, dass Sie die Frist konsequent kommunizieren und einhalten |
| Lang (3-4 Wochen oder mehr) | Passt zu komplexeren Finanzierungen oder wenigen Interessenten, die Zeit brauchen | Spannung und Dringlichkeit lassen nach, Interessenten verlieren eher das Interesse oder finden eine andere Immobilie |
Für die meisten privaten Verkäufe mit mehreren ernsthaften Interessenten ist eine Frist von ein bis zwei Wochen nach der letzten Besichtigung ein guter Ausgangspunkt. Wie Sie die Angebotsrunde insgesamt aufsetzen, von der Anzeige bis zur Wahl des Käufers, erklärt unser Beitrag So führen Sie Ihr erstes Bieterverfahren als Privatverkäufer durch.
Was spricht für eine kürzere Frist?
- Hohe Nachfrage. Haben Sie nach den Besichtigungen bereits mehrere Interessenten mit klarem Interesse, nimmt eine kurze Frist niemandem die Möglichkeit, aber hält die Dynamik hoch.
- Einfache Finanzierungslage. Wenn die meisten Interessenten bereits eine Finanzierungsbestätigung haben oder ohne Fremdfinanzierung kaufen, brauchen sie weniger Vorlaufzeit.
- Saisonale Gründe. Wollen Sie vor einem bestimmten Termin, etwa einem Umzug, abgeschlossen haben, hilft eine kurze, klar kommunizierte Frist.
Was spricht für eine längere Frist?
- Wenige Interessenten. Haben Sie nur zwei oder drei ernsthafte Interessenten, gibt eine längere Frist ihnen die Zeit, ihre Finanzierung sauber zu klären, statt sie unter Druck zu einem überstürzten Angebot zu drängen.
- Komplexere Finanzierung. Muss ein Interessent zuerst eine eigene Immobilie verkaufen oder eine Anschlussfinanzierung organisieren, braucht das Zeit, die eine zu kurze Frist nicht hergibt.
- Urlaubszeit oder Feiertage. Legen Sie die Frist nicht mitten in eine Zeit, in der viele Interessenten im Urlaub sind.
Wie funktioniert eine automatische Beendigung der Frist?
Wenn Sie eine Angebotsrunde mit Truvalo durchführen, können Sie optional eine Angebotsfrist festlegen, die die Runde automatisch schließt. Das nimmt Ihnen die Aufgabe ab, den Schlusspunkt manuell zu setzen und allen Interessenten einzeln mitzuteilen, dass die Zeit abgelaufen ist. Alle Interessenten sehen dieselbe Frist, und das letzte Angebot vor Fristende zählt. Daneben legen Sie auch Startpreis und, falls gewünscht, eine Mindesterhöhung zwischen zwei Angeboten fest. Wie das Bieterverfahren im Detail abläuft, erklärt unser Beitrag Bieterverfahren erklärt.
Darf ich die Frist verlängern?
Das kommt vor, zum Beispiel wenn kurz vor Fristende noch ein neuer, ernsthafter Interessent dazukommt. Wichtig ist, dass Sie die Verlängerung für alle gleich kommunizieren, mit demselben neuen Termin und derselben Begründung. Was Sie vermeiden sollten: die Frist nur gegenüber einem einzelnen Interessenten "inoffiziell" zu verlängern, während die anderen glauben, die Runde sei schon vorbei. Das untergräbt genau die Fairness, die eine offene Angebotsrunde ausmacht. Mehr dazu, wie Sie generell fair mit mehreren Interessenten umgehen, lesen Sie in Mehrere Kaufinteressenten: So gehen Sie fair mit Angeboten um.
Wie gehen andere Länder mit Fristen um?
Formale Fristen für Angebote sind kein deutsches Sonderkonzept. In Schottland etwa setzt der Verkäufer, sobald sich mehrere Interessenten melden, einen sogenannten "closing date": einen festen Zeitpunkt, bis zu dem alle Interessenten ihr Angebot einreichen müssen. Das Prinzip ist demselben Gedanken verpflichtet wie eine deutsche Angebotsfrist: ein fester, für alle gleicher Zeitrahmen statt eines offenen, unklaren Prozesses.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange sollte die Angebotsfrist mindestens sein? Als grobe Faustregel sind drei bis fünf Tage das Minimum, damit Interessenten überhaupt reagieren können. Kürzere Fristen lassen kaum Zeit für Finanzierungsfragen und wirken schnell wie Druck statt wie eine faire Gelegenheit.
Was passiert, wenn die Frist abläuft und niemand ein ausreichendes Angebot abgegeben hat? Sie müssen die Runde nicht mit einem Verkauf beenden. Da Angebote in Deutschland bis zum notariell beurkundeten Kaufvertrag unverbindlich sind, können Sie die Frist verlängern, die Runde neu starten oder das Verfahren ganz beenden, ohne zu verkaufen.
Sollte ich die Frist im Exposé nennen? Ja. Eine klar kommunizierte Frist gehört zu den Spielregeln, die alle Interessenten von Anfang an kennen sollten, zusammen mit Startpreis und eventuellen weiteren Bedingungen.
Kann ich die Frist nachträglich verkürzen? Davon raten wir ab. Eine Verkürzung nimmt Interessenten Zeit, auf die sie sich verlassen haben, und wirkt leicht unfair. Legen Sie die Frist stattdessen von Anfang an realistisch fest.
Die richtige Frist ist Teil der fairen Angebotsrunde
Die Angebotsfrist ist kein Detail, sondern eine der Spielregeln, die darüber entscheiden, ob sich Ihre Angebotsrunde für alle Beteiligten fair anfühlt. Setzen Sie die Frist bewusst, kommunizieren Sie sie klar und gehen Sie mit Verlängerungen transparent um, dann bleibt die Angebotsrunde das, was sie sein soll: ein fairer Weg zum besten Preis.